Leider viel zu schnell ging unser Urlaub im Norden Italiens zu Ende.

Ein großer Vorteil für uns als Hobbyfotografen ist die Tatsache, dass nach dem Urlaub die Sichtung und Verarbeitung der Fotos ansteht. Darauf freuen wir uns jedes mal. Und nach dem Urlaub ist ja vor dem Urlaub.

 

Zuerst gibt’s jetzt ein bisschen Geografie:

Tirol – Südtirol – Trentino – Dolomiten:

Was ist eigentlich was, und wo?

Tirol: Tirol ist ein Bundesland im Westen Österreichs mit Hauptstadt Innsbruck.

Südtirol: Dies ist die nördlichste Provinz Italiens, und bildet mit der Provinz Trient die autonome Region Trentino-Südtirol mit der Landeshauptstadt Bozen.

Trentino: Dies ist eine Provinz im Norden Italiens mit Landeshauptstadt Trient, und Teil der Autonomen Region Südtirol-Trentino.

Früher gab es das Kronland Tirol (Teil des ehemaligen Österreichischen Kaiserreichs), das im wesentlichen dem Gebiet Tirol-Südtirol-Trentino entspricht. Heute ist dieses Gebiet die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.

Dolomiten: Dabei handelt es sich um eine Gebirgsgruppe der südlichen Kalkalpen in Norditalien in den Provinzen Belluno, Südtirol und Trentino. Der höchste Gipfel ist der Marmolata mit 3343m. Das Besondere ist das vorherrschende Mineral Dolomit, das den Felsen seine charakteristische helle Farbe verleiht. Dadurch entsteht auch das bekannte Phänomen der Enrosadira (Ladinisch), zu deutsch Alpenglühen.

Unsere wunderschöne Ferienwohnung auf dem Apperlehof befand sich in der Autonomen Provinz Bozen, also in Südtirol. Da wir sehr gern Bergseen mögen, viel die Wahl auf den Ort Niederdorf. Dort gibt es gleich drei schöne Seen in der Nähe: den Pragser Wildsee, den Antholzer See und den Toblacher See.

Tipp 1: Anfahrt und Navigation

Die Anfahrt hat sich etwas schwierig gestaltet, da wir sehr viel Zeit im Stau verbracht haben. Für Österreich braucht man übrigens eine Vignette. Wenn man nicht die Klebe-Variante möchte, kann man sie bei diversen Anbietern unterwegs kaufen, und muss lediglich das Kennzeichen angeben. Diese Vignette gilt dann ab dem Moment des Kaufs (= Registrierung), und es gibt sie für unterschiedliche Zeiträume. Beim Onlinekauf von zuhause aus dauert die Freischaltung ca. 3 Wochen, und teurer ist es auch noch. Ansonsten kann man Mautgebühren einsparen, wenn man über Innsbruck fährt, und die Brennerautobahn vermeidet. Wir finden diese Strecke auch sehr viel schöner und entspannter.

Außerdem kann man interessante Sachen entdecken, wie z.B. dieses Schild, dass ich gesehen habe als wir in Österreich im Stau standen:

Schild in Österreich

Offensichtlich hat die brave Alpenrepublik mehr als Kaffee und Wurscht zu bieten, und definitiv Anderes als wir auf dem Schirm hatten…

(Einfach mal genau hinschauen…)

Schön war ein Wiedersehen mit der Highline 179. Das ist eine Hängebrücke, die über die Fernpass-Straße 179 führt. Dorthin haben wir mal einen Ausflug gemacht als wir einen Familienurlaub im Allgäu verbracht haben.

Hängebrücke highline 179
Hängebrücke Highline 179

Wichtig für die Navigation im allgemeinen:

Lade die offline-karten bei googlemaps runter, der Internet-Empfang ist nicht immer überall gegeben…

Tipp 2: Location-Tipps:

Pragser Wildsee

Pragser Wildsee:

Schon der große Parkplatz (pro Stunde 3 Euro), Kiosk und Hotel lässt vermuten: hier sind wir nicht allein unterwegs. Im Internet wird der See als der schönste Bergsee in Südtirol angepriesen. Rein landschaftlich betrachtet, und auf den ersten Blick stimmt das. Der See ist wirklich einmalig schön, und hat einige Vorteile:

  • Keine Schlepp-Tour vonnöten
  • Die vorhandene Infrastruktur wie WC und Kiosk hat manche Vorteile
  • Die Spiegelung des Paternkofels ist fantastisch
  • Der See ist leicht zu finden, da ausgeschildert

Alternative für diejenigen, die gern im Dunkeln (um bei Sonnenaufgang vor Ort zu sein) ca. 2h lang mit dem kompletten Equipment auf Berge kraxeln: Der Sorapissee ist wirklich wunderschön, und man hat ihn praktisch für sich allein. Aber aufgepasst! Im Sommer kann es sein, dass der See ausgetrocknet ist…

Antholzer See

Antholzer See

Die türkise Färbung des Sees ist wirklich fantastisch. Leider gibt es dort keine Spiegelung einer Gebirgskette im Wasser.

Ansonsten gibt es das volle Tourismus-Angebot:

vom Hotel bis zum Campingplatz, sowie diversen Wassersport-Möglichkeiten (z.B. SUP) ist so ziemlich alles da – außer Parkplätzen. Die gibt es nur für die zahlende Kundschaft.

Toblacher See

Fotografiert haben wir dort nicht, aber eine sehr gute Pizza gegessen (gibt’s allerdings nur am Abend. Zum Mittagessen haben sie eine andere, teurere Karte ohne Pizza). Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, da die dunkel-türkise Färbung des Wassers sehr schön ist.

Plätzwiese am Morgen

Plätzwiese

Die Plätzwiese ist ein Hochplateau mit tollem Blick in die Bergwelt der Dolomiten. Die Zufahrt ist in der Hauptsaison (diesbezgl. Informationen sind im Internet zu finden) nicht immer möglich, normalerweise kann man vor 10 Uhr Morgens hochfahren, bzw. ab  15 Uhr dann wieder. Diese Zeiten sind für Fotografen eigentlich optimal. Die Wanderwege (bis zur Dürrensteinhütte) sind sogar für Kinderwagen geeignet, es gibt kaum Steigungen, und die Ausblicke in alle Richtungen sind phänomenal.

Grödner Joch

Grödner Joch

Das Grödner Joch ist eine kurvige steile Pass-Straße, und führt bis auf 2136 m Höhe durch die beeindruckende Bergwelt der Dolomiten. Da es immer wieder Parkplätze bzw. Haltemöglichkeiten gibt, bietet sich hier ein Roadtrip für Landschaftsfotografie an.

Sonnenuntergang beim Sellajoch

Sellajoch

Hier gilt im Prinzip das Gleiche wie beim Grödner Joch. Erwähnen möchte ich noch den beeindruckenden Blick auf den Langkofel. Auf dem höchsten Punkt hat man einen 360° Rundumblick. Die Pass-Straßen generell sind sehr beliebt für Roadtrips. Man sieht viele Oldtimer, Porsche und Motorradfahrer. Beeindruckt haben mich die vielen Radfahrer, die hier Steigungen überwinden, die ich zu Fuß nicht bewältigen könnte.

Kirche St. Johannes Villnösstal

Villnösstal mit Kirche St. Johann

Die Johanneskirche im Villnösstal zu Füßen der Geislerspitzen ist einer der bekanntesten Fotospots in den Dolomiten, und daher auch entsprechend überlaufen. Die Wiese vor bzw. um die Kirche ist in Privat-Besitz, und eingezäunt. Aber es gibt ja den extra eingerichteten Fotospot. Der dazugehörende Parkplatz ist (schlauerweise) gebührenpflichtig. Da der Blick auf die kleine Kirche wirklich wunderschön ist, sind auch wir dorthin gefahren. Leider hat sich das Wetter sehr schnell verändert, und die Bergspitzen sind nach und nach in den Wolken verschwunden.

Barbian, St. Ulrich und Toblach

Nach 28 Jahren waren wir wieder in Barbian! Der beschauliche Ort hat sich doch sehr verändert, es gibt deutlich mehr Tourismus als damals. Aber immerhin: der Kirchturm ist noch genauso schief wie damals. Und der Kastanienkuchen im Café dort war mega-lecker. Auch unser damaliges Feriendomizil bei Fam. Rabanser haben wir wieder entdeckt.

Da wir beschlossen haben, kommenden Herbst nochmal nach Südtirol zu fahren, haben wir dem hübschen Ort St. Ulrich zu Scouting-Zwecken einen kurzen Besuch abgestattet. Was soll ich sagen? Geprüft und für gut befunden! Es ist wirklich ein malerisches Städtchen in (fotografisch betrachtet) sehr guter Lage.

Toblach war der nächste größere Ort in der Nähe unserer Ferienwohnung. Leider wurde die schöne Kirche gerade renoviert – gut für die Kirche, schlecht für unsere Fotos. Nichtsdestotrotz, Toblach ist ein sehr schönes Städtchen. Und ein Besuch bei der Patisserie Birgit am Marktplatz lohnt sich auf jeden Fall.

Dunkle Wolken über dem Langkofel

Tipp 3: Das Wetter

Wechselhaft bis unvorhersehbar – vergiss die normalen WetterApps.

Nach dem Urlaub ist man oft schlauer als vorher. Es gibt tatsächlich im Internet spezielle (Wetter-) Seiten für Bergwetter, und sogar eine WetterApp  für Südtirol (die wir noch nicht getestet haben). Schlechter als die „normalen“ WetterApps kann sie allerdings kaum sein.

Mein Tipp daher: einfach auf alles vorbereitet sein, und auch den Regenschutz fürs Equipment nicht (wie ich) zuhause vergessen.

Buchfink

Ein Buchfink erfreut uns am Morgen mit seinem Gesang. Oft sind es  Kleinigkeiten, die das Leben schön machen.

Tipp 4: Tierbegegnungen

  • Bei Wölfen besser im Auto bleiben, und nicht füttern
  • Kamera griffbereit haben – nicht im Kofferraum…
  • Autoscheinwerfer als Lichtquelle nutzen
  • Handy-Video ist besser als nichts

Warum erwähne ich dieses Thema? Wir waren dieses Jahr nach 28(!) Jahren zum zweiten Mal in Südtirol. Tierbegegnungen hatten wir jedes Mal. Beim ersten Aufenthalt waren es zwei Dachse, die direkt an der Straße hoch nach Barbiano um ca. 11 Uhr Abends unterwegs waren. Leider waren es auch die letzten Dachse, die ich bis heute gesehen habe.

Bei unserem jetzigen Urlaub haben wir noch einiges mehr erlebt:

Feldhasen gibt es auch bei uns im Großraum Stuttgart, trotzdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich einen sehe. In Südtirol waren es immerhin 5 Stück in 7 Tagen. Wenn man am (sehr) frühen Morgen unterwegs ist, erlebt man einfach mehr in der Natur als tagsüber.

Bei der Fahrt zum Sonnenaufgang auf der Plätzwiese stand eine Hirschkuh am Straßenrand, und ein Reh konnten wir im Wald verschwinden sehen.

Das absolute Highlight des gesamten Urlaubs aber war eine Begegnung, die wir wohl nie vergessen werden: Als wir nach Sonnenuntergang vom Sellajoch nach hause gefahren sind, war ein Wolf (ja, Du hast richtig gelesen – ein Wolf!) auf der Schnellstraße unterwegs. Wir konnten kaum unseren Augen trauen. Der schleichende Gang, der aggressive Blick, die rote raushängende Zunge, große Pfoten und die grau-weiße Fellfarbe – eigentlich eindeutig ein Wolf. Und doch haben wir uns gefragt, ob wir vielleicht geträumt haben. Allerdings waren wir nicht allein, ein anderer Autofahrer auf der anderen Fahrbahn hat auch angehalten, und sein Blick sprach Bände. Der Vermieter unserer Ferienwohnung hat dann auch die Anwesenheit von Wölfen in der Gegend bestätigt. Insgesamt sind wohl etwa 30 Individuen in Südtirol unterwegs, es gibt insgesamt 7 Rudel. Es gibt auch eine Internetseite, wo Sichtungen von Wolf und Bär bekannt gemacht werden. Wir waren jedenfalls derart überrascht, dass wir kein Beweisfoto machen konnten. Die Kameras waren im Kofferraum, und mein Bedürfnis, das Auto zu verlassen war nicht sehr groß… Aber – wir haben einen freilebenden Wolf gesehen!!!

Drive-in Fotografie

Drive-in-Landschaftsfotografie

Am Antholzer See

Hier das Ergebnis!

Tipp 5: Wie vermeide ich Schlepp-Touren?

Wie kommt der Fotograf auf den Berg? Und das natürlich zu den Tages-Rand-Zeiten, also zum Sonnenauf- bzw. -untergang… Ich selber bin weder super-fit noch trittfest oder schwindelfrei. Also muss eine andere Lösung her als im Dunkeln mit Taschenlampe auf unbekannten Wegen durch die Berge zu kraxeln. Die meisten Seilbahnen haben eher unfreundliche Betriebszeiten für Fotografen. Eine Ausnahme macht da die Seilbahn auf die Seiser Alm. Sie fährt ab 8 Uhr morgens bis 18 Uhr abends, und das von Mai bis November. Zumindest im Herbst sollten also Sonnenuntergangsfotos möglich sein.

Im Allgäu gibt es die Hochgrathbahn, die sogar Sonnenaufgangsfahrten (inkl. Berggottesdienst und Blaskapelle), Vollmondfahrten und Sonnenuntergangsfahrten anbietet. Davon könnten sich die Südtiroler Bahnen ein Scheibchen abschneiden.

Roadtrips durch die Südtiroler Bergwelt entlang der fantastischen Pass-Straßen finde ich persönlich sehr toll. Grödner Joch und Sellajoch bekommen da von mir 5 Sterne. Die Plätzwiese ist auch eine klasse Location. Bis zum Bergpanorama braucht man vom Parkplatz etwa 5 Minuten, die Wege dort sind (bis zur Dürrensteinhütte) sehr gut ausgebaut, und es gibt so gut wie keine Steigungen.

Um für uns geeignete Foto-Locations ausfindig zu machen, nutzen wir googlemaps und google-earth. Mit diesen Apps kann man relativ gut das Gelände erkennen, und die jeweilige Distanz zu Parkplätzen, ggf. Höhenmeter sowie den Zustand der (Wander-)Wege.

Unsere Rucksäcke

Tipp 6: Welches Equipment brauche ich für tolle Landschaftsfotos?

Bevor es losgeht:

Checkt die WetterApp und nehmt geeignete Kleidung und Schuhe mit, und einen Regenschutz fürs Equipment.

Für gute Fotos sollte man zur blauen oder goldenen Stunde vor Ort sein. Dann heißt es Aufbauen! Evtl. muss man noch ein Stück(chen) laufen vom Parkplatz. Diese Zeit muss eingeplant werden. Also raus aus der Komfortzone, und den Wecker entsprechend früh stellen. Für unsere Sonnenaufgangsfotos von der Plätzwiese hat unser Wecker um 3 Uhr 30 geklingelt.

Für uns auch wichtig: eine ausreichende Menge Kaffee im auslaufsicheren Thermobecher.

Was brauche ich vor Ort?

Für Landschaftsfotografie nehmen wir grundsätzlich Stativ, Filter und Fernauslöser mit. Bei den Filtern sollte man auf jeden Fall einen Polfilter und einen Grauverlauffilter im Gepäck haben.

Normalerweise genügt ein Standard-Reisezoomobjektiv. Mein persönliches Lieblingsobjektiv hat eine Brennweite von 16-85mm bei Blende f3.5 – 5.6. Da wir ja ab Stativ arbeiten, muss das Objektiv nicht besonders lichtstark sein.

Frühstück bei Patisserie Birgit

Tipp 7: Essen und Trinken

Eigentlich gibt es zu diesem Thema nicht viel zu sagen. Jeder kennt Pizza, Pasta, Knödel, Kaiserschmarrn und Co. Deswegen habe ich auch nicht genau kontrolliert, als ich google bei Innsbruck auf der Heimreise nach einem Spezialitätenrestaurant gefragt habe. Bei einer Bewertung von 4,8 von 5 Sternen kann eigentlich nichts schief gehen – dachte ich. Unter dem Namen „Fischiff“ konnte ich mir nichts vorstellen, beim österreichischen Dialekt gibt es ja immer wieder seltsame Wortkreationen (eigentlich so wie bei uns auch). Gelandet sind wir dann in einem Fisch-Restaurant! Es gab Meeresfrüchte in vielen verschiedenen Variationen. Mit allem möglichen hätten wir gerechnet, aber nicht damit, dass man ein Fisch-Restaurant unter der Rubrik „Österreichische Spezialitäten“ einsortiert. Immerhin ist Österreich das Land der Berge, und hat nicht mal eine Küste… Und es gab auch keine Forelle! Eins muss man aber sagen: wir lieben Fisch, und das Essen war wirklich lecker! Die Kritik geht also an google (und an mich – ich hätte nochmal nachschauen müssen), und nicht an das tolle Lokal „Fischiff“ in Innsbruck!

Blick in die Bergwelt

Fazit:

Südtirol ist definitiv eine Reise wert! Auch wenn man nicht in den Bergen rumklettern möchte, gibt es doch viele Möglichkeiten für tolle Landschaftsbilder.

Vor der Anreise lohnt sich eine gründliche Recherche. Wir mussten z.B. feststellen, dass die Auronzo-Hütte noch nicht zugänglich war. Diese Hütte ist der Startpunkt zur Drei-Zinnen-Tour. Als ausgesprochene Flachland-Tiroler wussten wir nicht so genau, dass Berge je nach Perspektive und Standort sehr unterschiedlich aussehen können. Bei den Drei Zinnen beispielsweise sieht man die Zinnen nur von der Nordseite aus. Und diese Perspektive bekommt man eben nur zu Gesicht, wenn man von der Auronzo-Hütte aus startet, oder einen minimal 2-stündigen Fußmarsch in Kauf nimmt (wohlgemerkt – ein Weg!)

Nichtsdestotrotz konnten wir auch ohne große Schlepp-Touren tolle Fotos machen, und die grandiose Bergwelt der Dolomiten erleben.

Und nicht zu vergessen: Wir haben einen Wolf(!!!) gesehen!

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