Zum zweiten Mal findet 2022 der Fotowettbewerb Nikon Female Facets statt, die Facetten weiblicher Fotografie.

Inwiefern eigentlich sind die weiblichen Facetten der Fotografie anders als „männliche“ Fotografie?

Rein biologisch gesehen unterscheidet sich die Wahrnehmung von Männern und Frauen.

Laut neuerer Studien können Männer Kontraste und Bewegungen besser wahrnehmen als Frauen, und auch die Farbwahrnehmung unterscheidet sich. Für Frauen erscheint die Welt in wärmeren Farbtönen während für Männer die Welt „bläulicher“ zu sein scheint. (Studie  nach Israel Abramov von der City University of New York)

Ob sich das auch auf die Fotografie auswirkt?

Ehrlich gesagt, ich denke nicht.

Meiner Meinung nach wiegen da die Unterschiede in den Strukturen von einzelnen Persönlichkeiten mehr – egal ob Mann oder Frau. Eines kann man aber sagen: Fotografie ist eine techniklastige Beschäftigung, und daher ein eher von Männern dominierter Bereich. In der Domäne Technik fühlen sich manche Männer gegenüber Frauen überlegen, und zeigen das dann auch. Gepaart mit dem typisch männlichen Verhalten – Konkurrenzdenken und Wettkampf – wirkt das auf viele Frauen einschüchternd. Unsicherheit ist dann die Folge – in Bezug auf Fotografie äußert sich das dann vor allem beim Handling mit der Ausrüstung.

Auch bei mir hat es ziemlich lange gedauert, bis ich mich getraut habe, mit einem großen Teleobjektiv umzugehen. Zum ersten Mal habe ich im Ansitz bei den Bienenfressern dank der Überredungskunst meines Mannes sein großes Teleobjektiv (Nikkor 200-400mm) verwendet – und ehrlich, ich habe Feuer gefangen. Mittlerweile nenne ich das Nikkor 200 – 500mm* mein Eigen, und es ist eines meiner absoluten Lieblingsobjektive. Schade finde ich, dass man auch heute in unser fortschrittlichen Gesellschaft erstaunte Blicke erntet, wenn Frau mit dieser großen Kamera-Objektiv-Kombi unterwegs ist.

Ich gehe von mir aus, aber in diesen Männer-dominierten Bereichen habe ich mich oft verunsichern lassen, auch wenn ich das gar nicht nötig gehabt hätte.

Und deshalb ist NFF eben mehr als nur ein Fotowettbewerb:

Der Austausch und das Lernen in einer Frauengruppe bietet einen sicheren Rahmen. Und da fühlen sich viele Frauen eben einfach wohler, und auch sicher vor dem typisch männlichen, besserwisserischen und gönnerhaften Verhalten.

(Disclaimer: ich möchte hier nicht verallgemeinern und sämtliche Männer über einen Kamm scheren. Diesen Schutz der Frauengruppe brauchen wir tatsächlich nur vor den Typen, die eigentlich gar keine Männer sind).

Was ist nun das Besondere an NFF:

Die Mentorinnen:

Sechs engagierte und erfolgreiche Fotografinnen unterstützen und unterrichten interessierte, neugierige, talentierte, begeisterte, ambitionierte und… Frauen in den vielen Facetten der Fotografie, und des Fotografie-Business.

Die kostenlosen Kurse:

Jede der Mentorinnen hat einen oder mehrere online-Kurse zu diversen Themen gegeben.

Heike Jasper:
  • Bildkomposition und Bildsprache
  • Grundlagen der RAW-Entwicklung
  • Objektive und Perspektive
Marion Payr:
  • Preise richtig kalkulieren
  • Fotografie im Neben- oder Haupterwerb
Tanja Brandt:
  • Abenteuer Wildlife
  • Tiere in Action fotografieren
Trickytine:
  • Easy Foodfotografie
Alina Rudya:
  • Porträts mit natürlichem Licht
Alex Evang:
  • Stilfindung in der Fotografie

Mit diesen Kursen (und denen vom letzten Jahr) hat man mehr als nur eine Basis um erfolgreich als Fotografin durchzustarten. Wobei ich beim Stichwort Erfolg nicht nur an gewerbliche Fotografie denke. Die Freude an einem tollen Foto ist für mich Erfolg genug.

Die Facebook-Gruppe:

In der Facebook-Gruppe findet Austausch und Vernetzung statt, sowie gegenseitige Unterstützung. Bei Fragen zu fotografischen Themen wird Dir hier geholfen. Eine sehr tolle Vernetzung ist die neue Gruppe „Wild female photographers“ – eine Gruppe für Wildlife Fotografie. Auch diverse Regionalgruppen (meist nach Bundesländern) sind im Entstehen.

Live-Interviews mit drei inspirierenden Fotografinnen (unter der Leitung von Heike Jasper) waren auch dabei und für mich persönlich sehr wertvoll, auch wenn das Genre der Fotografinnen nicht so wirklich zu meinem Portfolio passt.

 

Die Unterstützung der Fa. Nikon:

Für eine Firma ist es mit Sicherheit nicht selbstverständlich, solch ein soziales Projekt zu unterstützen. Die Preise, die beim Wettbewerb gewonnen werden können, sind mehr als großzügig, ebenso wie die kostenlosen Kurse der Mentorinnen. Diese Kurse wären ohne die Unterstützung der Nikon School (technische und organisatiorische Abwicklung) sicher nicht möglich gewesen.

Der Wettbewerb:

Für viele Frauen ist es nicht so einfach, sich dazu zu überwinden, ihre Fotos in einem Wettbewerb zu zeigen. Es ist gut zu wissen, dass die Mentorinnen, die auch die Jurorinnen des Wettbewerbs sind, verantwortungsbewusst versuchen, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Meiner Meinung nach zeigen die Siegerbilder des letzten Jahres (2021) das deutlich. Die Transparenz beim Jurieren der Bilder (durch Fotos und Stories der Jurorinnen bei Instagram) ist bei Fotowettbewerben ungewöhnlich, und macht das Ganze sehr spannend.

Die Einführung der Wettbewerbskategorien finde ich bei der Auswahl der eigenen Bilder hilfreich.

Folgende Wettbewerbs-Kategorien gab es:

  • Architektur und Street
  • Landschaft und Reisen
  • Makro und Stil Life
  • People und Porträt
  • Tiere und Wildlife

Auf die Siegerbilder freue ich mich schon, und werde, sobald sie bekannt gegeben werden, einen entsprechenden Link hier einfügen.

Meine Bilder vom letzten Jahr im Vergleich zu diesem Jahr (2022):
Wie habe ich mich für diese Fotos entschieden und warum?

 

Meine Wettbewerbsbilder 2021

Meine Wettbewerbsbilder 2022

Ehrlich gesagt, bei der Auswahl von Wettbewerbsfotos entscheidet mein Bauchgefühl. Also nehme ich einfach meine persönlichen Lieblingsbilder. Für viele der Teilnehmerinnen (mich inklusive) wäre es sicher hilfreich, Tipps für die Auswahl der Fotos zu bekommen.

Ob man bei meinen Bildern Fortschritte oder eine Weiterentwicklung sieht?

Über entsprechende Kommentare würde ich mich in jedem Fall sehr freuen.

Und nun freue ich mich (zusammen mit vielen Anderen Fotografinnen) schon auf

NIKON FEMALE FACETS 2023 – die Facetten der weiblichen Fotografie!

6 Kommentare

    • Kerstin Cotrus

      Freut mich total, dass Du meinen Blogartikel gelesen hast, und dass er Dir gefällt!

      Antworten
  1. Uta Mag

    Liebe Kerstin,
    ich bin auch sehr froh, NFF für mich entdeckt zu haben. Es ist was anderes nur unter Frauen eine geschützte Gruppe zu haben als in einer gemischten. Diese Erfahrung hat bereits meine Tochter auf einem Mädchengymnasium gemacht. Viel mehr als üblich ergreifen die Absolventinnen eine berufliche Laufbahn in Technik und Wissenschaft. Als Feministin weiß ich eine geschlossene Gruppe auch zu schätzen.
    Es ist aber auch eine andere Bildsprache, mit der sich Frauen von der der Männer unterscheiden. Mein Lieblingsbeispiel ist das Genre Portrait und ich werde nicht müde, manche Autoren ob des abgebildeten Posings in aller Höflichkeit zu kritisieren. Das tue ich schon seit 2004, als ich der fotocommunity.de beitrat. Seit 2013 bin ich in einem DVF-Fotoclub engagiert und habe sehr viel dazu gelernt. Wir nehmen nicht nur regelmäßig an nationalen und internationalen Wettbewerben teil, wir richten nun auch selbst alle 2 Jahre einen internationalen Wettbewerb für Schwarz/Weiß-Fotos aus.
    Mein Resümee ist : die eingereichten Fotos bei den NFF-Wettbewerben ist mindestens genauso hoch und keine Fotografin hat Grund sich zu verstecken.

    Antworten
    • Kerstin Cotrus

      Unser Genre ist Natur- und Reisefotografie. Mit Portrait-Fotografie haben weder Romeo noch ich viel Erfahrung. In der Naturfotografie sind Frauen nach wie vor in der Unterzahl, was sich auch zeigt in der Anzahl der Frauen, die die Vollmitgliedschaft in der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) geschafft haben. Beim internen Wettbewerb der GDT (GNJ) hat in ca. 50 Jahren nur einmal eine Frau den Titel „Naturfotograf des Jahres“ gewonnen. Auch mir (Jg. 67) wurde vermittelt, dass Frauen und Technik / Mathematik nicht zusammen passen. Dank Romeo konnte ich diese falschen Glaubenssätze hinter mir lassen.

      Antworten
  2. Manu

    Ich sehe eine deutliche Entwicklung in deinen Bildern
    Toller Artikel

    Antworten
    • Kerstin Cotrus

      Hallo Manu, vielen lieben Dank für Dein Feedback, und Dein Lob.

      Antworten

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